Anschreiben ohne Buzzwords: konkret schreiben statt Floskeln

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Studentin korrigiert handschriftlich ihr Anschreiben

Ein Anschreiben ohne Buzzwords ersetzt jede Behauptung durch einen Beleg. Statt „teamfähig, belastbar und motiviert“ schreibst du, mit wem du was erreicht hast, unter welchen Bedingungen und mit welchem Ergebnis. Statt „Hiermit bewerbe ich mich“ beginnst du mit dem Grund, warum genau diese Stelle zu dir passt. Hier bekommst du eine Tabelle mit den häufigsten Floskeln und konkreten Ersatzsätzen, eine einfache Belegformel, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung und Lösungen für Sonderfälle wie den Berufseinstieg oder die Initiativbewerbung.

TL;DR

  • Buzzwords sind Eigenschaften ohne Beleg. Personaler lesen sie in fast jeder Bewerbung, deshalb unterscheiden sie dich nicht.
  • Begriffe aus der Stellenanzeige darfst du übernehmen, aber nur mit einem konkreten Beispiel dahinter.
  • Der erste Satz entscheidet, ob weitergelesen wird: Steig mit dem Bezug zur Stelle oder mit einem Ergebnis ein, nicht mit „Hiermit“.
  • Die Belegformel lautet: Situation, deine Handlung, messbares oder sichtbares Ergebnis.
  • Prüfe jeden Satz mit einer Frage: Könnte ihn auch jede andere Person in jede andere Bewerbung schreiben? Dann streichen oder konkretisieren.

Inhaltsverzeichnis

Warum Floskeln dein Anschreiben schwächen

Das Anschreiben ist nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit der Türöffner deiner Bewerbung: Es liegt obenauf und wird nur dann komplett gelesen, wenn es wirklich überzeugt. Genau hier liegt das Problem mit Floskeln. Wer zum zwanzigsten Mal an einem Tag „Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen“ liest, erfährt nichts Neues über dich und springt weiter.

Hinzu kommt, dass das Anschreiben insgesamt unter Druck steht. In einer Umfrage von Karriere.de unter den 30 größten Unternehmen in Deutschland bezeichnete mehr als 40 Prozent das Anschreiben allenfalls als optional. Und laut einem Bericht von heise messen 54 Prozent der befragten Personaler dem Anschreiben kaum noch Bedeutung bei.

Daraus folgt nicht, dass du das Anschreiben vernachlässigen kannst. Daraus folgt, dass es nur dann etwas bewirkt, wenn es Informationen liefert, die im Lebenslauf nicht stehen: deine Motivation für genau diese Stelle, den Zusammenhang zwischen deinen Erfahrungen und den Anforderungen und ein Gefühl dafür, wie du arbeitest. Ein Text aus Standardphrasen liefert nichts davon. Ein Text aus Belegen liefert alles.

Die Bundesagentur für Arbeit rät ausdrücklich, Vorlagen nur als Inspiration zu nutzen, sie in keinem Fall zu kopieren und auf eigene Formulierungen zu achten. Floskeln sind im Kern nichts anderes als kopierte Vorlagen in Satzform.

Buzzword, Floskel, Schlüsselbegriff: der Unterschied

Nicht jedes Wort aus der Stellenanzeige ist verboten. Es hilft, drei Dinge auseinanderzuhalten:

  • Buzzword: ein Modewort oder eine Eigenschaft ohne Inhalt, etwa „Hands-on-Mentalität“, „Macher“, „ergebnisorientiert“, „teamfähig“. Es behauptet etwas, ohne es zu zeigen.
  • Floskel: eine feste Satzschablone, etwa „Hiermit bewerbe ich mich“, „Über eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch würde ich mich sehr freuen“, „Ich bin der ideale Kandidat“. Sie füllt Platz, transportiert aber keine Information.
  • Schlüsselbegriff: eine fachliche Anforderung aus der Anzeige, etwa „SAP S/4HANA“, „Kreditorenbuchhaltung“, „Scrum“, „Erfahrung mit B2B-Kunden im Maschinenbau“. Diese Begriffe gehören in dein Anschreiben, weil sie zeigen, dass deine Qualifikation zur Stelle passt.

Auch Eigenschaften wie „Teamfähigkeit“ darfst du aufgreifen, wenn sie in der Anzeige stehen. Entscheidend ist, dass du sie nicht einfach wiederholst, sondern mit einem Beispiel unterlegst. Wie du Eigenschaften glaubwürdig machst, zeigt unser Ratgeber Soft Skills belegen. Und welche Anforderungen in einer Anzeige wirklich zählen und welche nur Füllmaterial sind, erkennst du mit der Checkliste zum Lesen von Stellenanzeigen.

Für Bewerbungen, die zuerst durch ein Bewerbermanagementsystem laufen, sind fachliche Schlüsselbegriffe übrigens doppelt wichtig. Was ein Parser lesen kann und was nicht, erklären wir im Beitrag zum ATS-Anschreiben.

Floskeln und ihre konkreten Alternativen

Die folgende Tabelle zeigt typische Phrasen, warum sie nicht wirken und wie ein konkreter Ersatz aussieht. Die Beispiele sind Muster: Übernimm die Struktur, nicht den Wortlaut, und setze deine eigenen Fakten ein.

FloskelWarum sie nicht wirktKonkrete Alternative
„Hiermit bewerbe ich mich als …“Steht bereits im Betreff, verschenkt den ersten Satz„In Ihrer Anzeige suchen Sie jemanden, der die Lohnabrechnung für 300 Mitarbeitende übernimmt. Genau das mache ich seit vier Jahren bei einem Logistikunternehmen in Bremen.“
„Ich bin teamfähig.“Behauptung ohne Beleg„Im Projekt zur Lagerumstellung habe ich zwischen Einkauf, IT und Schichtleitung koordiniert, wöchentlich mit allen drei Teams.“
„Ich bin belastbar.“Sagt nichts über die Art der Belastung„Während der Jahresabschlüsse betreue ich parallel 25 Mandanten und halte dabei alle Fristen ein.“
„Ich arbeite selbstständig und strukturiert.“Zwei Standardadjektive in einem Satz„Den Onboarding-Prozess für neue Kolleginnen und Kollegen habe ich allein aufgebaut, inklusive Checkliste und Einarbeitungsplan.“
„Ich bin hoch motiviert.“Motivation wird behauptet, nicht begründet„Mich reizt an der Stelle, dass ich die Kundenbetreuung nicht nur ausführe, sondern den Prozess mitgestalten kann.“
„Ich bin der ideale Kandidat.“Das entscheidet die Leserin, nicht du„Die drei Kernanforderungen Ihrer Anzeige decke ich mit folgenden Erfahrungen ab: …“
„Ich habe ein Gespür für Kunden.“Unklar, was gemeint ist„Meine Stammkunden betreue ich seit drei Jahren, zwei davon habe ich selbst gewonnen.“
„Über eine Einladung würde ich mich sehr freuen.“Konjunktiv, austauschbar„Im Gespräch erläutere ich gern, wie ich die Umstellung auf DATEV begleitet habe.“

Achte beim Ton auf die Anrede: Im Anschreiben bleibst du gegenüber dem Unternehmen formell, auch wenn die Stellenanzeige duzt. Ausnahme: Das Unternehmen duzt durchgehend und erkennbar bewusst, etwa in einem Start-up. Dann darfst du dich anpassen.

Der erste Satz: was statt „Hiermit bewerbe ich mich“

Der Einstieg ist die Stelle, an der die meisten Floskeln stehen. Die Broschüre der Bundesagentur für Arbeit nennt einen interessanten Einstieg, der Lust zum Weiterlesen macht, ausdrücklich als entscheidend. Ein älteres Merkblatt der Bundesagentur schlägt vor, „Hiermit bewerbe ich mich“ durch „Mit großem Interesse bewerbe ich mich“ zu ersetzen. Das ist besser als das Füllwort, aber inzwischen selbst eine der häufigsten Formeln. Drei Einstiege, die mehr leisten:

  1. Der Anforderungs-Einstieg: Du greifst die wichtigste Anforderung der Anzeige auf und zeigst sofort, dass du sie erfüllst. „Sie suchen eine Teamleitung, die ein wachsendes Supportteam strukturiert. In meiner aktuellen Rolle habe ich das Team von vier auf elf Personen aufgebaut und die Schichtplanung neu organisiert.“
  2. Der Ergebnis-Einstieg: Du beginnst mit deinem stärksten, zur Stelle passenden Ergebnis. „Im vergangenen Jahr habe ich die Bearbeitungszeit für Reklamationen in unserem Kundenservice halbiert. Diese Erfahrung möchte ich in Ihrem Team einbringen.“
  3. Der Motivations-Einstieg: Du nennst einen konkreten Grund, warum gerade dieses Unternehmen. „Ihre Entscheidung, die Produktion in Chemnitz auf Kreislaufwirtschaft umzustellen, ist der Grund, warum ich mich als Prozessingenieurin bewerbe.“

Wichtig beim dritten Einstieg: Der Grund muss stimmen und überprüfbar sein. Ein erfundener Bezug zur Unternehmensgeschichte fällt im Gespräch sofort auf.

Die Belegformel: Situation, Handlung, Ergebnis

Fast jede Floskel lässt sich mit derselben Formel in einen Beleg verwandeln. Du beantwortest drei Fragen:

  • Situation: Wo und unter welchen Bedingungen? (Team, Projekt, Zeitraum, Umfang)
  • Handlung: Was hast du konkret getan? (Verb in der Ich-Form, keine Passivkonstruktion)
  • Ergebnis: Was hat sich dadurch verändert? (Zahl, Zeitersparnis, Feedback, Folgeauftrag)

Ein Beispiel für „kommunikationsstark“:

  • Floskel: „Ich verfüge über ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten.“
  • Beleg: „Als Werkstudentin im Marketing habe ich die monatlichen Reportings für die Geschäftsführung übernommen (Situation), die Kennzahlen auf eine Seite verdichtet und in einem kurzen Termin vorgestellt (Handlung). Das Format wird seitdem für alle Abteilungen genutzt (Ergebnis).“

Das Ergebnis muss nicht immer eine Zahl sein. Eine dauerhafte Übernahme deiner Lösung, eine Verlängerung des Vertrags oder eine neue Verantwortung sind ebenfalls Belege. Entscheidend ist, dass ein Leser sich die Situation vorstellen kann. Die EURES-Leitlinie zum Anschreiben setzt denselben Schwerpunkt: Zeig, wie dein Profil zur Stellenbeschreibung und den geforderten Qualifikationen passt.

In sechs Schritten zum Anschreiben ohne Floskeln

  1. Anzeige zerlegen: Markiere die drei bis fünf Anforderungen, die am häufigsten oder an erster Stelle genannt werden. Trenne fachliche Anforderungen von weichen Eigenschaften.
  2. Belege sammeln: Notiere zu jeder Anforderung ein Beispiel aus Job, Studium, Ehrenamt oder Projekt. Nutze dafür die Belegformel. Findest du für eine Anforderung keinen Beleg, lass sie weg, statt sie zu behaupten.
  3. Einstieg wählen: Entscheide dich für einen der drei Einstiege oben. Der stärkste Beleg, der zur wichtigsten Anforderung passt, gehört nach vorn.
  4. Hauptteil bauen: Zwei bis drei Absätze, jeder zu einer Anforderung, jeder mit einem Beleg. Fachbegriffe aus der Anzeige übernimmst du wörtlich, wenn sie zutreffen.
  5. Schluss formulieren: Ein Satz mit Ausblick, ohne Konjunktiv. Zum Beispiel: „Im Gespräch erläutere ich gern, wie ich bei Ihnen die Umstellung der Tourenplanung angehen würde.“ Eintrittstermin und Gehaltsvorstellung ergänzt du nur, wenn die Anzeige danach fragt.
  6. Floskeltest: Lies jeden Satz und frag dich, ob ihn auch jemand anderes in eine andere Bewerbung schreiben könnte. Wenn ja, konkretisiere ihn oder streiche ihn. Streiche außerdem Füllwörter wie „sehr“, „eigentlich“, „durchaus“ und doppelte Adjektive.

Am Ende sollte das Anschreiben auf eine Seite passen. Lieber drei starke Absätze als fünf mittelmäßige. Vollständige Beispiele mit der jeweils passenden Stellenanzeige findest du in unseren Anschreiben-Beispielen.

Sonderfälle: kaum Erfahrung, Initiativbewerbung, Wechsel

Ohne Berufserfahrung

Gerade wer wenig Berufserfahrung hat, greift gern zu Floskeln, weil die Belege zu fehlen scheinen. Dabei taugen auch Studienprojekte, Praktika, Nebenjobs, Vereinsarbeit oder Abschlussarbeiten als Beleg. „In meiner Bachelorarbeit habe ich Lieferzeiten von 40 Zulieferern ausgewertet“ sagt mehr über analytisches Arbeiten als „Ich bin analytisch begabt“. Für ein Praktikum reicht oft ein Beleg pro Anforderung, kurz und sachlich.

Initiativbewerbung

Ohne Stellenanzeige fehlt dir die Liste der Anforderungen. Ersetze sie durch Recherche: Was veröffentlicht das Unternehmen über aktuelle Projekte, Standorte oder Herausforderungen? Der Einstieg verbindet dann eine konkrete Entwicklung im Unternehmen mit einer konkreten Erfahrung von dir. Nenne außerdem klar, welche Art von Aufgabe du suchst, sonst weiß niemand, wohin deine Bewerbung weitergeleitet werden soll.

Branchen- oder Jobwechsel

Beim Wechsel ist die Versuchung groß, mit „Ich suche eine neue Herausforderung“ zu begründen. Besser ist es, übertragbare Erfahrungen konkret zu benennen und den Wechsel nachvollziehbar zu machen. Ausführlich dazu: Anschreiben für den Branchenwechsel und Jobwechsel überzeugend begründen.

Unsere Sicht: Floskeln entstehen aus Zeitdruck

Unsere Sicht: Floskeln entstehen aus Zeitdruck: overview diagram

Wir sehen bei Appliqu jeden Tag, wie Anschreiben entstehen, und die meisten Floskeln haben eine einfache Ursache: Zeitmangel. Wer zehn Bewerbungen in einer Woche schreibt, kopiert irgendwann den Text der letzten und tauscht nur den Firmennamen aus. Das Ergebnis ist das Gegenteil dessen, was ein Anschreiben leisten soll.

Deshalb arbeitet Appliqu andersherum. Appliqu liest die gesamte Stellenanzeige, nicht nur einzelne Schlüsselwörter, gleicht sie semantisch mit deinem Profil ab und schreibt für jede Stelle ein eigenes Anschreiben, das auf die konkreten Anforderungen eingeht. Du entscheidest, ob Appliqu jede Bewerbung erst nach deiner Freigabe absendet oder im Autopilot arbeitet. Unsere Empfehlung: Starte mit Freigabe, lies die ersten Anschreiben gegen und ergänze dort Belege, die nur du kennst. Ein gutes Anschreiben braucht deine echten Beispiele. Appliqu sorgt dafür, dass sie bei jeder Bewerbung an der richtigen Stelle stehen.

Alex

Individuelle Anschreiben für jede Stelle

Wenn du viele Bewerbungen parallel verschickst und trotzdem jede einzelne auf die Anzeige zuschneiden willst, nimmt dir Appliqu die Fleißarbeit ab. Appliqu sucht auf über 100 Jobportalen nach passenden Stellen, passt Lebenslauf und Anschreiben pro Bewerbung an und zeigt dir alle Bewerbungen in einem Dashboard. Mit Explorer schreibt Appliqu dauerhaft kostenlos 5 Bewerbungen für dich. Ab Core (29,90 € pro Monat, 100 Bewerbungen) sendet Appliqu sie auch ab. Pro kostet 69,90 € pro Monat für 300 Bewerbungen inklusive Appliqu Job Board, Concierge 199 € pro Monat mit unbegrenzten Bewerbungen. Alle Preise verstehen sich inklusive 19 % MwSt. Hier siehst du, wie Appliqu für dich arbeitet.

Individuelle Anschreiben für jede Stelle: overview diagram

FAQ

Ist ein Anschreiben heute überhaupt noch notwendig?

Das hängt vom Arbeitgeber ab. Viele große Unternehmen behandeln es inzwischen als optional, andere verlangen es weiterhin. Steht in der Anzeige nichts dazu oder wird es ausdrücklich gewünscht, schick ein kurzes, konkretes Anschreiben mit. Ist es optional, kann ein starkes Anschreiben trotzdem den Unterschied machen, ein floskelhaftes eher nicht.

Was schreibe ich statt „Hiermit bewerbe ich mich“?

Beginne mit der wichtigsten Anforderung der Stelle und deinem passenden Beleg, mit deinem stärksten Ergebnis oder mit einem konkreten, überprüfbaren Grund für genau dieses Unternehmen. Die Stellenbezeichnung steht ohnehin im Betreff. Der erste Satz sollte etwas sagen, das dort noch nicht steht.

Darf ich Begriffe aus der Stellenanzeige übernehmen?

Ja, fachliche Begriffe solltest du sogar wörtlich übernehmen, wenn sie auf dich zutreffen, weil sie zeigen, dass deine Qualifikation passt und auch von Bewerbermanagementsystemen erkannt werden. Eigenschaften wie „teamfähig“ übernimmst du nur mit einem Beispiel dahinter. Eine reine Aneinanderreihung der Begriffe aus der Anzeige wirkt dagegen mechanisch.

Wie lang sollte ein Anschreiben ohne Floskeln sein?

Maximal eine Seite, in der Regel drei bis vier kurze Absätze: Einstieg, zwei Belegabsätze und ein Schluss mit Ausblick. Wer Floskeln streicht, wird automatisch kürzer. Das ist kein Nachteil, sondern macht es leichter, das Anschreiben vollständig zu lesen.

Quellen

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